2013/07/15

Die Wand...

Zur Zeit komme ich wieder zum Lesen. Dies und das wandert durch meine wählerischen Hände. Ich habe einen Haufen ungelesener Lektüre hier liegen, kann nicht durcheinander, alles auf einmal beginnen, Schritt für Schritt, wird brav ausgelesen. Das Gefühl, das man hat, wenn man die letzte Seite liest und das Buch dann in das Bücherregal stellt ist sehr befriedigend, wie ich finde. Ein Stück Glück durch Papier hervorgerufen. 
Die Wand, vielleicht dem ein, oder anderen auch als Verfilmung, mit der fabelhaften Martina Gedeck, bekannt, stammt aus der Feder von Marlen Haushofer. Sie war eine sehr tiefsinnige Schriftstellerin, von der ich bestimmt noch einiges lesen werde.  
Eine Frau auf einer Alm, die über Nacht von einer durchsichtigen Wand abgeschottet wird, schlägt sich durch, fernab von Zivilisation und Menschheit. Tiere, harte Arbeit und Gedanken mit ihr selbst, lassen sie überleben. Sie ist kalt und doch so warm, diese Frau. Sie lebt, der Tiere wegen und kämpft sich durch die Natur und ihre Tücken.
Ein wunderbarer Lesestoff, er fesselt und man ist gespannt auf das Ende. Keiner solchen atypischen Geschichten, wie man sie kennt. Schön, sie macht auch traurig und nachdenklich.


"Die Wand ist so sehr ein Teil meines Lebens geworden, dass ich oft wochenlang nicht an sie denke. Und selbst wenn ich an sie denke, erscheint sie mir nicht unheimlicher als eine Ziegelwand oder ein Gartenzaun, der mich am Weitergehen hindert. Was ist denn auch so Besonderes an ihr? Ein Gegenstand aus einem Stoff, dessen Zusammensetzung ich nicht kenne. Derartige Gegenstände hat es in meinem Leben immer mehr als genug gegeben. Durch die Wand wurde ich gezwungen, ein ganz neues Leben zu beginnen, aber was mich wirklich berührt, ist immer noch das gleiche wie früher: Geburt, Tod, die Jahreszeiten, Wachstum und Verfall. Die Wand ist ein Ding, das weder tot noch lebendig ist, sie geht mich in Wahrheit nichts an, und deshalb träume ich nicht von ihr."

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